Die CDU-Staufenberg sieht auf Basis des seit Februar 2026 vorliegenden Gutachtens und der darin dargestellten Datenlage hinsichtlich einer Reaktivierung der Lumdatalbahn keinen wirtschaftlich vertretbaren Mehrwert für die Staufenberger Bevölkerung und lehnt das Vorhaben deshalb ab.
- Während ein Gutachten von 2016 noch von reinen Baukosten in Höhe von 38,6 Mill. € aus¬ging, sind es mittlerweile 62,6 Mill. €. Die Betriebskosten von 2,9 Mill. €/Jahr werden nur ge¬deckt, wenn neben rein kaufmännisch belastbaren Einnahmen in Höhe von 0,86 Mill. €/Jahr auch rein fiktive Kenngrößen wie etwa in Geld umgerechnete Sachverhalte (vermeidbare Un¬fallfolgekosten, reduzierter CO2 Ausstoß, geringerer Primärenergieverbrauch usw, im Gut-achten „Daseinsfürsorge“ genannt.) hinzugerechnet werden. Diese führen kaufmännisch je¬doch zu keinerlei Einnahmen, so dass der tatsächliche Verlust in Höhe von ca 2 Mill. € pro Jahr bestehen bleibt. Wer diesen tragen soll, lässt das Gutachten offen.
- Hinsichtlich der Verkehrsströme geht das Gutachten von Zahlen aus 2017 aus, so dass neue¬re Entwicklungen unberücksichtigt bleiben. Hierzu Beispiele.
a. Durch die inzwischen weitverbreitete Praxis des Homeoffice hat sich die berufsbe¬dingte Verkehrsnutzung deutlich verringert, egal ob man hierzu den Individualverkehr oder den ÖPNV betrachtet.
b. Für den Straßenverkehr wird z.B. der CO2 Ausstoß auf Basis, der mit Dieselfahr¬zeugen gefahrenen km berechnet. Die immer stärkere Nutzung von E-Fahrzeugen, die ja bekanntlich keine CO2 Emissionen erzeugen, bleibt unberücksichtigt.
c. Neue Entwicklungen, wie autonomes Fahren, Robotaxis oder auch Carsharing wer¬den nicht betrachtet
d. Es werden überalterte, theoretische Fahrgastzahlen zu Grunde gelegt; eine durchge¬führte echte Datenerhebung ist dem Gutachten nicht zu entnehmen. - Die im Gutachten prognostizierten Vorteile für die Stadt Lollar lassen sich in keiner Weise nachvollziehen, da diese ja bekanntlich bereits jetzt über eine sehr gute Bahnanbindung in Nord- und in Südrichtung und dies über 2 Bahnhöfe mit gut ausgebauten P+R Zonen ver¬fügt. Das aktuelle Problem liegt hier keinesfalls in einem weiteren Ausbau, sondern in der fehlenden Verlässlichkeit der Züge. Zudem ist die Strecke Frankfurt – Kassel bereits jetzt extrem stark ausgelastet, so dass offen bleiben muss, ob die „Lumdatalbahn“ überhaupt bis Gießen durchfahren kann, oder ob nicht doch in Lollar ein Umstieg in Betracht zu ziehen ist. Die neue geplante Haltestation Lollar Nord wird zudem bei der dort ansässigen Bevölkerung auf große Widerstände stoßen.
- Geplant ist, den Busverkehr zwischen Londorf und Lollar zugunsten einer im Stundentakt verkehrenden Bahn deutlich zu reduzieren. Hingegen soll der Busverkehr zwischen Gießen und Lollar wie bisher aufrechterhalten werden, wobei dies mit der Anbindung an den Stadt¬teil Wieseck begründet wird. Wer öfter den Bus von Gießen (Buslinie 371) nutzt, wird leicht festgestellt haben, dass die Haltestellen Lichtenauer Weg und Wellersburg primär den rein innerstädtischen Verkehr abdecken, wohingegen die Zahl der Personen, welche von Lollar nach dort oder von dort bis Lollar den Bus nutzen, kaum ins Gewicht fällt.
- Unbeschadet des Umstands, dass sich die früheren Bahnhofsgebäude inzwischen meist in Privatbesitz befinden, ist festzuhalten, dass sich die in den letzten Jahrzehnten entstande¬nen Neubaugebiete in Staufenberg überwiegend von „der Schiene entfernt“ haben. In der Kernstadt Staufenberg gilt dies z. B. für die Bereiche Ruhestein oder Mohnstrauch, in Daubringen für den Bereich Hainbach aber auch in Treis für den Bereich unterhalb des Sportplatzes. Für die dort wohnenden Personen sind die bisherigen Bushaltestellen in der Ortsmitte wesentlich besser erreichbar. Lediglich für die im Vergleich dazu überschaubaren Gebiete Falltor (Treis) und Schautanz (Mainzlar) ließe sich ein anderer Schluss ziehen, wobei aktuell der „Schautanz“ durch die Haltestelle „Am Wingertsbaum“ ebenfalls über eine gute Busanbindung verfügt. Wer nun meint, dass etwa die Bewohner „Mohnstrauch“ oder „Hain¬bach“ ja in Daubringen den Zug nutzen könnten, dem sei gesagt, dass der frühere Bahnhal¬tepunkt Daubringen gerade nicht reaktiviert werden soll.
- Das Gutachten geht davon aus, dass der Anteil der Nutzung des ÖPNV durch die Reaktivie¬rung der Bahn von 6% auf 7% aller Verkehrsaktivitäten steigen wird. Unter den unter 2. ge¬nannten Aspekten ist es zumindest sehr zweifelhaft, ob diese Annahmen noch als nur halb¬wegs realistisch anzusehen sind.
- Die mit der Reaktivierung der Bahn verbundene Einschränkung des Busverkehrs zwischen Lollar und Londorf verringert dessen „Eigenwirtschaftlichkeit“ drastisch, so dass hier von deutlich höheren Zuschüssen auszugehen ist.
Fazit: Die CDU-Staufenberg steht voll hinter dem Interesse, den ÖPNV auch im Lumdatal zu stärken. Sie ist jedoch der Auffassung, dass dieses Ziel mit einem deutlichen Ausbau des bestehenden Bus¬verkehrs, durch bessere Anbindung auch der „kleineren“ Ortsteile Allendorfs und Rabenaus, sowie einer nachfragegerechten Ausweitung des Expressbusverkehrs, zumindest in gleicher Weise und um ein Vielfaches kostengünstiger, zu erreichen wäre.